Ratgeber
Fassade streichen oder reinigen?
Stand: August 2026
Zwischen einer Fassadenreinigung und einem neuen Anstrich liegt in Oberbayern ungefähr der Faktor drei. Beide Wege führen zu einer Fassade, die wieder gut aussieht – aber nur einer davon ist bei Ihrem Haus der richtige, und die Entscheidung hängt an einer einzigen Frage: Trägt die vorhandene Beschichtung noch?
Die Wischprobe
Sie brauchen dafür nichts außer einer trockenen Wand und Ihrer Hand.
Streichen Sie mit der flachen Handfläche über die Fassade, am besten an der Wetterseite auf Brusthöhe.
- Die Hand bleibt sauber, Schmutz geht mit einem feuchten Lappen ab → Der Anstrich trägt. Eine Reinigung reicht.
- Farbiger Staub auf der Handfläche → Der Anstrich kreidet ab. Das Bindemittel ist verwittert, die Farbe steht nur noch als Pigmentschicht auf der Wand. Reinigen bringt hier höchstens für eine Saison etwas.
- Abplatzungen, Blasen, Risse breiter als ein Haar → Weder das eine noch das andere. Hier ist erst zu klären, woher die Feuchtigkeit kommt.
Diese drei Fälle decken die meisten Einfamilienhäuser ab. Der Rest ist eine Frage des Geldes und des Anspruchs.
Was beides kostet
| Reinigung | Neuer Anstrich | |
|---|---|---|
| Preis pro m² | 10 – 16 € | 25 – 45 € |
| Gerüst | oft nicht nötig | 6 – 12 €/m², 3 – 4 Wochen |
| Dauer | 1 – 2 Tage | 1 – 3 Wochen |
| Hält | 4 – 6 Jahre | 15 – 25 Jahre |
| Haus mit ca. 190 m² Fassade | 1.900 – 3.000 € | 7.000 – 12.000 € |
Die Zeile, die in Angebotsvergleichen am häufigsten untergeht, ist das Gerüst. Es ist beim Anstrich zwingend, und drei bis vier Wochen Standzeit sind normal – bei einem beengten Grundstück am Hang oder direkt an der Straße kann es der größte Einzelposten werden.
Rechnen Sie beides über die Standzeit, nicht über den Rechnungsbetrag: Die Reinigung kostet pro Jahr rund 400 bis 500 €, der Anstrich rund 400 bis 600 €. Der Unterschied ist kleiner, als die Rechnung vermuten lässt – aber die Reinigung setzt voraus, dass überhaupt noch etwas zu erhalten ist.
Was ein Anstrich nicht repariert
Farbe ist kein Bauteil. Wo Feuchtigkeit von hinten oder von unten kommt, ist ein neuer Anstrich nach zwei Jahren wieder da, wo der alte war – und ein dichter Anstrich auf einer feuchten Wand macht es schlimmer, weil die Feuchtigkeit nicht mehr ausdiffundieren kann.
Vor jedem Anstrich gehören deshalb geklärt:
- Aufsteigende Feuchte im Sockel. Erkennbar an einem waagerechten Horizont gleicher Höhe rundherum.
- Überlaufende Dachrinne. Senkrechte Streifen unter einer Naht. Erst die Rinne, dann die Wand.
- Risse im Putz. Haarrisse sind normal, alles, wo eine Postkarte hineingeht, gehört angesehen, bevor es überstrichen wird.
Wann die Reihenfolge zählt
Auch wenn Sie streichen lassen: Gereinigt wird trotzdem. Farbe haftet nicht auf Algen, Staub oder kreidendem Altanstrich. In einem seriösen Malerangebot steht die Untergrundvorbereitung als eigene Position. Fehlt sie, fehlt entweder eine Kalkulationsposition, oder es wird über einen Untergrund gestrichen, der nicht trägt – und dann blättert der neue Anstrich mitsamt dem alten ab.
Deshalb der praktische Rat: Lassen Sie zuerst reinigen. Danach sehen Sie zum ersten Mal, wie die Fassade wirklich aussieht, und können die Entscheidung über den Anstrich auf einer Grundlage treffen statt auf einer Vermutung. In etlichen Fällen erübrigt sich die Frage nach der Reinigung von selbst.
Wenn der Bewuchs das eigentliche Thema ist, steht die Vorgehensweise unter Grünbelag an der Fassade entfernen. Was eine Reinigung bei Ihrer Fassadenfläche kostet, rechnet der Kostenrechner aus Grundfläche und Geschossanzahl aus.
Häufige Fragen
Was kostet es, eine Fassade streichen zu lassen?
In Oberbayern 25 bis 45 € pro m² für Untergrundvorbereitung, Grundierung und zwei Anstriche. Ein Gerüst kommt mit 6 bis 12 € pro m² Gerüstfläche dazu und steht meist drei bis vier Wochen. Für ein freistehendes Einfamilienhaus mit etwa 190 m² Fassadenfläche liegen die Angebote damit häufig zwischen 7.000 und 12.000 €.
Reicht eine Reinigung statt eines neuen Anstrichs?
Wenn die Farbe noch trägt, ja. Eine Fassadenreinigung kostet 10 bis 16 € pro m² und damit rund ein Drittel eines Anstrichs. Sie entfernt Grünbelag und Verschmutzung, sie ersetzt aber keine Beschichtung, die kreidet, abplatzt oder reißt. Die Wischprobe zeigt den Unterschied in zwei Minuten.
Wie oft muss eine Fassade gestrichen werden?
Ein guter Silikonharz- oder Silikatanstrich hält in Oberbayern 15 bis 25 Jahre, an der Wetterseite eher am unteren Ende. Eine Reinigung alle vier bis sechs Jahre verlängert diesen Zeitraum spürbar, weil Algenbewuchs die Beschichtung dauerhaft feucht hält und sie schneller altern lässt.
Was ist die Wischprobe?
Mit der flachen Hand über die trockene Fassade streichen. Bleibt farbiger Staub auf der Handfläche, kreidet der Anstrich ab und ist am Ende seiner Lebensdauer – dann bringt eine Reinigung nur kurzfristig etwas. Bleibt die Hand sauber und geht der Schmutz mit einem feuchten Lappen weg, trägt die Beschichtung noch und eine Reinigung genügt.
Muss die Fassade vor dem Streichen gereinigt werden?
Ja, immer. Farbe haftet nicht auf Algen, Staub oder kreidendem Altanstrich. Seriöse Malerbetriebe kalkulieren die Reinigung als eigene Position mit ein. Wenn ein Angebot direkt mit dem Anstrich beginnt, fehlt entweder eine Position oder es wird über einen Untergrund gestrichen, der nicht trägt.