Ratgeber
Die Masche mit der Dachbeschichtung – und wie Sie sie erkennen
Stand: August 2026
Das Muster ist fast immer dasselbe. Jemand klingelt, verweist auf eine Baustelle in der Nachbarschaft, zeigt ein Foto Ihres Dachs von der Straße aus und erklärt, das Moos zerstöre die Ziegel. Weil man ohnehin gerade in der Gegend sei, gebe es einen Sonderpreis – aber nur heute. Am Ende steht eine Dachbeschichtung für einen fünfstelligen Betrag, für die ein ortsansässiger Betrieb ein Drittel verlangt hätte.
Nicht jede Beschichtung ist unsinnig, und nicht jeder, der klingelt, ist unseriös. Aber die Kombination der folgenden Zeichen ist verlässlich.
Neun Warnzeichen
- Der Kontakt geht von ihm aus. Seriöse Dachbetriebe in Oberbayern sind ausgelastet und akquirieren nicht an der Haustür.
- „Wir sind gerade in der Straße.“ Der Klassiker. Er erzeugt Dringlichkeit und erklärt scheinbar den Rabatt.
- Preis ohne Besichtigung. Ein Festpreis, der vom Gartenzaun aus genannt wird, kann nicht kalkuliert sein.
- Nur heute gültig. Zeitdruck ist das zentrale Werkzeug. Jedes echte Angebot gilt auch noch nächste Woche.
- Schadensbehauptungen ohne Beleg. „Die Ziegel sind durch” – ohne dass jemand auf dem Dach war.
- Barzahlung oder hohe Anzahlung. Besonders bei Anzahlung vor Arbeitsbeginn.
- Keine feste Adresse in der Region. Ein Impressum mit Postfach oder eine Adresse 400 Kilometer entfernt.
- Keine Widerrufsbelehrung. Bei einem Haustürgeschäft ist sie Pflicht.
- Versprechen von 15 Jahren Garantie. Auf eine Beschichtung, deren Hersteller selbst keine solche Zusage gibt.
Was eine Beschichtung wirklich leistet
Eine Dachbeschichtung ist Farbe. Sie verbessert die Optik und kann auf saugfähigen Betondachsteinen die Wasseraufnahme reduzieren. Sie ersetzt keine defekten Ziegel, sie dichtet nichts ab, und sie verlängert die Lebensdauer eines maroden Daches nicht. Auf glasierten Tonziegeln haftet sie oft schlecht und blättert nach wenigen Jahren ab.
Wer Ihnen erzählt, die Beschichtung „versiegelt” das Dach und mache eine Sanierung überflüssig, verkauft Ihnen etwas, das das Produkt nicht kann.
Sie haben schon unterschrieben
Ruhe bewahren – die Rechtslage ist auf Ihrer Seite.
Widerrufen Sie schriftlich. Bei Haustürgeschäften gilt ein 14-tägiges Widerrufsrecht nach § 312g BGB. Ein formloses Schreiben genügt: Vertrag benennen, Widerruf erklären, per Einschreiben senden. Wurden Sie nicht korrekt belehrt, verlängert sich die Frist erheblich.
Zahlen Sie nichts weiter. Auch keine Anzahlung, auch nicht „nur für das Material”.
Holen Sie eine zweite Meinung ein. Ein ortsansässiger Dachdecker sagt Ihnen in zwanzig Minuten, ob am Dach überhaupt etwas zu tun ist.
Melden Sie es. Die Verbraucherzentrale Bayern nimmt solche Fälle auf, und bei Verdacht auf gewerbsmäßigen Betrug gehört die Sache zur Polizei.
Und wenn Sie einfach nur ein sauberes Dach wollen
Dann lassen Sie besichtigen, holen zwei bis drei schriftliche Angebote ein und vergleichen Leistungsverzeichnisse statt Endsummen. Was die Reinigung realistisch kostet, steht in unserer Kostenübersicht.
Häufige Fragen
Darf ich einen an der Haustür geschlossenen Vertrag widerrufen?
Ja. Bei Verträgen, die außerhalb von Geschäftsräumen geschlossen wurden, haben Sie nach § 312g BGB ein 14-tägiges Widerrufsrecht. Die Frist beginnt erst, wenn Sie korrekt über den Widerruf belehrt wurden – fehlt die Belehrung, verlängert sie sich auf bis zu zwölf Monate und 14 Tage.
Muss ich zahlen, wenn schon gearbeitet wurde?
Wurde vor Ablauf der Widerrufsfrist auf Ihren ausdrücklichen Wunsch begonnen, kann Wertersatz für die bereits erbrachte Leistung anfallen. Ohne diesen ausdrücklichen Wunsch und ohne korrekte Belehrung besteht in der Regel kein Anspruch.
Woran erkenne ich einen seriösen Betrieb?
Er besichtigt vor dem Angebot, nennt einen schriftlichen Festpreis mit Leistungsverzeichnis, ist im Handwerksregister eingetragen, hat eine erreichbare Festadresse in der Region und drängt Sie zu nichts.
Ist eine Dachbeschichtung grundsätzlich Betrug?
Nein. Auf intakten, saugfähigen Betondachsteinen kann eine Beschichtung sinnvoll sein. Unseriös ist nicht das Produkt, sondern die Verkaufsmethode – und die Behauptung, sie verlängere die Lebensdauer des Daches um Jahrzehnte.