Ratgeber
Ist eine Dachreinigung überhaupt sinnvoll?
Stand: August 2026
Moos auf dem Dach ist in Oberbayern der Normalzustand, nicht die Ausnahme. Die Feuchtigkeit aus dem Voralpenraum, viel Baumbestand und lange Perioden ohne durchgreifende Trocknung sorgen dafür. Die Frage ist deshalb nicht, ob Bewuchs da ist, sondern ob er etwas anrichtet.
Wann es sich lohnt
Wenn die Entwässerung leidet. Abgelöstes Moos landet in der Rinne und im Fallrohr. Läuft Wasser über den Rand an die Fassade und in den Sockel, wird es teuer, und zwar an einer ganz anderen Stelle als auf dem Dach.
Bei porösen Betondachsteinen. Beton verliert über Jahrzehnte die Zementschlämme an der Oberfläche und nimmt mehr Wasser auf. Bewuchs hält diese Feuchtigkeit fest, und Frost sprengt durchwurzelte Fugen.
Vor einer Photovoltaikanlage oder einem Verkauf. In beiden Fällen wird das Dach ohnehin begutachtet.
Wann nicht
Bei glasierten oder engobierten Tonziegeln in gutem Zustand. Die Oberfläche ist dicht, das Moos sitzt obenauf und richtet nichts an. Hier ist die Reinigung eine optische Entscheidung, keine technische.
Wenn das Dach ohnehin bald erneuert wird. Eine Reinigung für 3.000 € auf einem Dach, das in sieben Jahren neu gedeckt wird, ist verlorenes Geld.
Bei Faserzement mit Asbestverdacht, verbaut bis 1993. Hier ist Hochdruck verboten. Arbeiten daran gehören ausschließlich in die Hand eines Fachbetriebs nach TRGS 519.
Die Nachteile, die selten erwähnt werden
Hochdruck trägt bei Betondachsteinen die verbliebene Oberflächenschicht mit ab. Das Dach ist danach sauber, nimmt aber schneller wieder Wasser auf und ist in zwei bis drei Jahren erneut bewachsen, wenn nicht imprägniert wird.
Und: Bei der Arbeit werden lose Ziegel und mürbe Firstbereiche belastet. Was danach undicht ist, war es meistens vorher schon, fällt aber jetzt auf. Ein seriöser Betrieb weist vorher darauf hin.
Wenn Sie stattdessen ein Angebot für eine vollflächige Beschichtung bekommen haben, lesen Sie erst Dachbeschichtung: sinnvoll oder rausgeworfenes Geld?
Häufige Fragen
Schadet Moos dem Dach?
Indirekt. Das Moos selbst zerstört keinen intakten Ziegel. Es hält aber Feuchtigkeit auf der Oberfläche, verstopft Rinnen und Fallrohre, und durchwurzelte Fugen können bei Frost aufsprengen. Auf glasierten Tonziegeln in gutem Zustand ist der Bewuchs meist rein kosmetisch.
Wie oft sollte man ein Dach reinigen?
Es gibt kein festes Intervall. Eine Reinigung hält je nach Lage zwei bis fünf Jahre, in schattigen und feuchten Lagen kürzer. Sinnvoller als ein Turnus ist ein Blick alle zwei Jahre, ob Rinne und Fallrohre frei sind.
Welche Nachteile hat eine Dachreinigung?
Hochdruck kann die Oberflächenschicht von Betondachsteinen abtragen, wodurch sie danach schneller wieder Wasser aufnehmen und neu bewachsen. Außerdem werden lose Ziegel und undichte Stellen bei der Arbeit belastet, was vorhandene Schäden sichtbar macht.
Wann ist eine Reinigung nicht sinnvoll?
Bei Dächern, die ohnehin in fünf bis zehn Jahren erneuert werden, bei glasierten Ziegeln mit rein optischem Bewuchs und bei asbesthaltigem Faserzement, wo Hochdruck verboten ist und nur ein Fachbetrieb nach TRGS 519 arbeiten darf.